Wer am Montag den 5. Oktober schon um 5.45 Uhr einen Blick auf die Straße wagte, konnte am Stadtgarten in Oberndorf eine verschlafene Schar von Zwölftklässlern begutachten, die sich mit den Lehrern Malow, Danner und Flaig auf den Weg in die Hauptstadt machte.
Als, nach einer gemächlichen Busfahrt mit überregelmäßigen Pausen und einer ungeplanten Autobahnsightseeingtour seitens des Busfahrers, die die Schülergruppe aus der Langeweile spannender Filme riss, Berlin gegen 17.45 Uhr erreicht war, wurde das Meininger Hotel in der Oranienburgerstraße in Besitz genommen, bevor um 18.00 Uhr bereits die erste touristische Tour auf dem Plan stand.
Diese führte auf den nahe gelegenen Alexanderplatz und von dort vorbei an Fernsehturm und Rotem Rathaus ins Nikolaiviertel, wo neben der Nikolaikirche auch das Knoblauchhaus bestaunt werden konnte. Geführt wurden die nach Tutoren aufgeteilten Gruppen von interessierten Schülern, die Referate zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten vorbereitet hatten. Der Rest des ersten Abends stand den Schülern anschließend frei zur Verfügung und sie nutzten ihn, um sich zu stärken und für die kommenden Tage einzudecken, bzw. erste Erfahrungen mit dem Berliner Nachtleben zu sammeln. Anzumerken sei dazu, dass auf dem Alexanderplatz das Berliner Oktoberfest stattfand, das eher einem Weihnachtsmarkt als der Wiesn glich.
Nachdem Frühstück in zwei Schichten ging es am Dienstagmorgen zur Mauergedenkstätte an der Bernauerstraße, wo Eindrücke zur Zeit des geteilten Berlins gesammelt werden konnten. Anschließend folgte ein Rundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins wie dem Gendarmenmarkt, dem Brandenburger Tor, dem Bundestag (leider nur von außen) und dem Holocaust Mahnmal mit angeschlossenem Museum. Hier konnte anhand von Familienschicksalen und Zeitzeugenzitaten die Grausamkeit des NS-Regimes ebenso erfahren werden wie deren Dimension.
Der Spaziergang endete am Nachmittag auf dem Potsdamer Platz, wo jeder ausgiebig Gelegenheit fand, in den großen Kaufhäusern sein Reisegeld liegen zu lassen.
Der Mittwochmorgen war als Museumsvormittag ausgewiesen und so ging es nach einem kurzen Treffen um 9.00 Uhr in kleinen Gruppen zu den verschiedenen Zielen. In der großen Vielfalt an Museen hatten die Schüler die freie Wahl, welches Museum sie besichtigen wollten und so brachen die einen zur East Side Gallery oder Madame Tussauds auf, während andere sich zum Ägyptischen Museum begaben und eine dritte Gruppe sogar zum Stasi-Gefängnis fuhr.
Um 13.45 Uhr trafen sich dann alle ein klein bisschen gebildeter am Berliner Hauptbahnhof wieder, von wo aus es zur Bootsanlegestelle ging, ab welcher eine enttäuschend kurze und unausführliche Sightseeing-Bootsfahrt unternommen wurde.
Abends bekamen die Schülerinnen und Schüler dann noch den „Besuch der alten Dame" im deutschen Theater geboten und dass es ins Theater ging, sah man ihnen durchaus an. Trotz Regen hatte man sich schick gemacht - schließlich stand mit Ullrich Matthes als Alfred Ill sogar ein „echter" Schauspieler auf der Bühne, der am Sonntag prompt im Tatort bestaunt werden konnte.
Der Donnerstag begann wie der Mittwoch geendet hatte: regnerisch. Und so entschied sich die Mehrheit dafür, die für nachmittags angesetzte Kanu-Fahrt ausfallen zu lassen und stattdessen das ursprünglich für Freitagmorgen geplante Programm der Stadtführung durch West-Berlin durchzuführen. Davor ging es allerdings mit dem Bus aus Berlin hinaus und an den Wannsee, wo in zwei Gruppen nacheinander Führungen durch das Haus der Wannseekonferenz, in welchem die „Endlösung der Judenfrage" beschlossen worden war, abgehalten wurden. Solange die eine Gruppe in der Geschichte stöberte, waren die anderen rund um den See unterwegs, erkundeten die Berliner Biergartenqualität oder begleiteten den Busfahrer auf seiner Fahrt zur Tankstelle.
Anschließend folgte die Stadtführung „West-Berlin", während welcher typische Stationen wie der Kurfürstendamm, die Gedächtniskirche und das KADEWE abgeklappert wurden. Der letzte Abend in Berlin stand den Schülern wieder frei zur Verfügung, solange man sich bis zwölf bei den Lehrern im Hotel gemeldet hatte.
Der Freitagmorgen war nach Vorverlegung des Programms auf den vorherigen Nachmittag ebenfalls zur freien Verfügung und so streifte man noch einmal durch die Hauptstadt, um letzte Impressionen zu sammeln oder Souvenirs für die Daheimgebliebenen zu erwerben. Nach einem Gruppenfoto zum Abschluss ging es gegen 12.30 Uhr gen Heimat, die kurz nach 23.00 Uhr erschöpft erreicht wurde.
Insgesamt haben wir also eine harmonische und interessante Zeit in Berlin verlebt, auch wenn nicht alle Programmwünsche zeitlich erfüllt werden konnten.

Jg